MagmaBrandDesign

May 24, 2007previous review

DesignKlicks

 Momentaufnahmen einer neuen Ästhetik - Interview mit Lars Harmsen 

„Typo muss wie ein Angelhaken sein, damit die Leute überhaupt hängen bleiben und bereit sind, sich inhaltlich auseinander zu setzen.“

Lars Harmsen ist einer der Geschäftsführer der Karlsruher Agentur MAGMA Brand Design und Mitgründer des Schriftenlabels Volcano Type. Er rief 2004 den Typo-Weblog Slanted ins Leben und ist Herausgeber des gleichnamigen Print-Magazins, das sich spielerisch mit Schrift auseinandersetzt und Einblicke in aktuelle typografische Trends vermittelt.

Mal abgesehen von der wachsenden Slanted-Anhängerschaft: Welche Wirkung entfaltet das Magazin im Umgang mit Kunden, welchen Einfluss nimmt es auf die eigene Arbeit?

Hierzulande steckt den Unternehmen der Hang zu betont funktionalistischer Typo noch immer in den Knochen. Wir nutzen „Slanted“ indirekt als Tool, um unseren Kunden andere Perspektiven für den Einsatz von Schrift vor Augen zu führen und deren emotionales Potential zu vermitteln. Uns selbst bietet das Heft Raum für einen freiern Umgang mit Typografie - Experimente sind für uns die notwendige Basis für neue Formensprachen und Seherfahrungen. Wir ziehen daraus wichtige Impulse für unsere kommerzielle Arbeit.

Was sind Ihre persönlichen typografischen Vorlieben?
Das Mixen von Schriften! Ich bringe sehr gerne verschiedene Schriften zusammen, um Spannungen zu erzeugen und breche dabei mit den gängigen Faustregeln - dass man zum Beispiel nicht zwei Serifenlose mixen sollte, sondern nur eine Antiqua und eine Serifenlose. Durch das Mixen kann man aus den Schriften immer Neues rausholen, sie verändern sich im Zusammenwirken mit anderen. Insofern kann ich fast mit jeder Schrift glücklich werden - außer vielleicht der Architektenschrift Rotis oder der viel zu weit verbreiteten Systemschrift Arial. Für neue Impulse sorgen nach wie vor Schriftenlabels wie Emigre oder Lineto, und junge, freche wie die Typonauten.
Aus welchen Gebieten der visuellen Kommunikation kommen für Sie derzeit neue Impulse?
Neue Trends kommen vor allem aus dem Magazindesign. Auf der Konferenz Colophon in Luxemburg waren beeindruckende Independent-Magazine aus dem Ostblock, Skandinavien oder Amerika zu sehen. Das Erotikmagazin „S“ aus Dänemark und die Autozeitschrift „Carl's Cars“ aus Schweden, aber auch das rumänische Lifestyle-Blatt „Ni6vwo“ fand ich in Sachen Bildsprache und Typografie absolut genial. Dass die Ansätze der Nischenmagazine auf den Mainstream-Markt zurückwirken, zeigt derzeit die deutsche „Vogue“.

Typografie kann entscheidenden Einfluss auf visuelle Sprachen nehmen - Neville Brody und David Carson haben das deutlich gemacht. Werden aus diesem Bereich neue, ähnlich Stil-prägende Designer hervorgehen?
Die Zeit der Popstars ist vorbei. Auch in der Musikszene wird es keinen Prince und keine Madonna mehr geben. Die Szenen sind hier wie dort viel differenzierter geworden, es gibt nicht mehr diese eine grafische Bewegung wie zu Zeiten Brodys oder Carsons, sondern viele Communities mit eigenen Stilrichtungen. Die Globalisierung und das Internet haben ganz neue Inspirationsmöglichkeiten geschaffen. Man braucht sich nicht mehr zwischen verschiedenen Stilen entscheiden, sondern kann sie parallel kultivieren. Stars sind also nicht mehr wichtig, sondern Stile - und an denen wirken oft viele kreative Leute ...
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