

In den seligen Zeiten des Bleisatzes bildeten Schriftmuster die Krönung der Selbstdarstellung. Hersteller wie Gestalter legten ihre Ehre darein, die neuen Entwürfe möglichst sehenswert und wirkungsvoll in Szene zu setzen. Mit dem Sieg der Digitalisierung sind solche Inszenierungen leider weitgehend verschwunden, Bildschirm und Internet erwiesen sich als schnellere (und kostengünstigere) Konkurrenz. Doch das Pendel schlägt zurück! Immer häufiger tauchen Publikationen junger Typodesigner und Fontlieferanten, die die exklusiven Liebhaberausgaben von einst wieder aufgreifen - mit neuen Techniken und Perspektiven. Und mit verblüffenden Resultaten. Jüngstes und besonders eindruckvolles Beispiel: Versus des Magma-Teams aus Karlsruhe. Dieses Büro für Gestaltung entwickelt seit Jahren spezielle Fonts, bisher überwiegend für den eigenen Gebrauch. Somit ist Versus tatsächlich eine typografische Werkschau. Doch geht der Ansatz deutlich darüber hinaus. Denn Versus steht zugleich für den konstruktiven Dialog von Schrift und Fotografie - für FTS_VS_PIX (= fonts versus pictures). Die Bilder des Fotografen Christian Ernst setzen effektvolle Kontrapunkte und erzählen eigene kleine Geschichten, unabhängig von den gewählten Schriften. Die Partner verbindet Erfahrung aus gmeinsamen Projekten, hier wurde nun das Experiment gewagt, auszuloten, wo die Grenzen visueller Sprache liegen können (in Schrift, Bild und der Kombination aus beidem!). So verändern sich auch bekannte Markennamen oder Claims durch den ungewohnten Kontext, aus bekannten Inhalten entstehen neue Bedeutungen. Wenn auch das Buch einer inneren thematischen Logik folgt, ist doch keine der Seiten vorhersehbar. Das Ergebnis ist eine ironische Auseinandersetzung mit dem Gewohnten, eine abwechslungsreiche Schule des Sehens. Im Anhang werden alle zweiundsiebzig Schriften noch einmal in einem eigenen Font-Katalog abgebildet, die zudem auf einer CD-ROM digital und frei zum Layouten zur Verfügung stehen.