

Er bricht häufig aus und schleudert statt Lava neue Schriften heraus:
den Eruptionen von Volcano Type verdanken wir bislang 22 originelle Fonts.
Unverbraucht und frech sind die Fonts, und ihre Macher sehen auch nicht gerade brav und bieder aus. Da verwundert es um so mehr, daß das Schriftenlabel Volcano Type nicht in Berlin, London oder New York zu Hause ist, sondern ausgerechnet im badischen Karlsruhe. Inspirationen holen sich Lars Harmsen, Florian Gärtner und Wolfgang Rosentbal auf ihren Reisen, auf denen sie stets einen Fotoapparat dabeihaben.
Die Situation am Schriftenmarkt beschreiben die Designer so: Oben scheint alles sicher zu sein, das Land ist unter ein paar Großen aufgeteilt worden, eine dicke schwere Schicht trennt sie von denen da unten. Aber eine kleine Gruppe unvoreingenommener Typografen rührt daran und wartet auf den passenden Spalt, um endlich an die Oberfläche zu treten. Volcano Type bietet jungen Talenten eine solche Lücke, damit sie ihre Fonts einem breiteren Publikum präsentieren können.
Die erste Serie von dreizehn unkonventionellen und launischen Schriften heißt Earthfonts Nr. 1. Zum Teil stammen sie von den Volcano-Type-Gründern selbst, zum Teil von Nachwuchstypografen. „ln erster Linie geht's uns um den Spaß am Gestalten neuer Typen. Wir wollen junge Designer anregen mitzumachen", erklärt Wolfgang Rosenthal die Motivation des Labels. „Natürlich bemühen wir uns, kostendeckend zu arbeiten, aber der Kommerz steht nicht im Vordergrund."
Volcano Type geht es auch nicht darum, traditionelle Schriftfamilien zu entwickeln, vielmehr sollen die Typen originell und phantasievoll sein. Wie zum Beispiel die Kriminal: Dieser Font macht die Fummelei mit Buchstaben aus der„Bild"-Zeitung überflüssig und beweist, daß selbst Erpresser und enttäuschte Liebhaber Geschmack haben können. Oder die Masai, für die Lars Harmsen ein bestehendes Bild in Photoshop lud, mittels Chromfiltern bearbeitete und verhärtete, bis ein afrikanisch aussehendes Alphabet entstand, das der Schrift ihren Namen gab. Oder die Republik, für die Florian Gärtner Leuchtlettern und Kinoreklame fotograflerte und dann mit Hilfe von Photoshop in Buchstaben transformierte. Brandneu ist die Hot Chocolate von Wolfgang Rosenthal: Legt man sie über die Hot Sugar, läßt sie sich als zweifarbiger Font verwenden.
Im September 1996 gründeten Florian Gärtner, Lars Harmsen und Wolfgang Rosenthal Volcano Type, geboren wurde die Idee bei Magma, Büro für Gestaltung. Zu den Geschäftsführern dieses Designbüros zählen neben Ulrich Weiss auch Wolfgang Rosenthal und Lars Harmsen, die sich - überschreitet man die Türschwelle von Magma - seriös im Business Outfit präsentieren und für Kunden wie zum Beispiel Fanatic, Levi's, Sportswear oder für Softwarefirmen klassisches Grafikdesign entwickeln.
Dieser Spagat gehört zur Philosophie der beiden Unternehmen: „Wir entwerfen nicht nur freche Schriften, sondern mit dem gleichen Know-how und Elan auch Produktwerbung und Firmenerscheinungsbilder. Wir wollen diese große Bandbreite, denn festgefahrene Ideen sind nicht unser Ding", meint Rosenthal. „Die verschiedenen Gestaltungswege befruchten sich gegenseitig." Und die Kunden honorieren das - selbst die seriösesten unter ihnen finden die Volcano-Type-Schriften gut, auch wenn sie niemals auf den Gedanken kämen, sie im eigenen Bereich einzusetzen.
Die drei Designer engagieren sich darüber hinaus in kultureller Hinsicht: Sie beabsichtigen, Texte bisher noch nicht publizierter Autoren mit eigens für diesen Zweck gestalteten Volcano Fonts zu inszenieren.
Zur Veröffentlichung kommt bei der Karlsruher Type Foundry generell jede Schrift, es sollte sich dabei allerdings schon um ein vollständiges Alphabet handeln. Sobald die Designer genügend Fonts für ein weiteres komplettes Paket gesammelt haben und die Finanzierung gesichert ist, produzieren sie einen aktuellen Katalog. Die Volcano-Typen, die bisher lediglich als Mac-Version vorliegen - DOS-Varianten befinden sich in Planung-, kosten je 30 Mark, das Paket Earthfonts Nr. 1 knapp 150 Mark.
Für die Zukunft hat sich Volcano Type vorgenommen, einen möglichst großen Pool von Schriftdesignern mit ähnlich verrückten Ideen zu schaffen. „Wir wollen auch weiterhin auf dieser grungigen, verrotzten Schiene bleiben und uns gestalterisch austoben", so Wolfgang Rosenthal.